Cyanotypie

Berliner Blau gilt als das erste moderne Pigment, das in dieser Form nicht in der Natur vorkommt. Wahrscheinlich um 1706 wurde Berliner Blau erstmals von dem Berliner Farbenhersteller Diesbach hergestellt. Gewonnen wird das Pigment aus einer Lösung von Eisen(III)-Salz und gelbem Blutlaugensalz

Die Cyanotypie, auch als Blaudruck, Eisenblaudruck bekannt, ist ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit typisch cyanblauen Farbtönen.

Herschel_sitzendIn einer Lösung aus Ammoniumeisen(III)-citrat und Kaliumhexacyanidoferrat(III) bildet das Eisen unter UV-Licht blaue Kristalle von stabilem und lichtbeständigem Berliner Blau. Nach der Daguerreotypie und Talbotypie zur Herstellung von stabilen fotografischen Bildern entdeckte um 1840 der Naturwissenschafter und Astronom Sir John Herschel auf der Basis dieser Chemie ein Verfahren zur Herstellung von fotografischen Bildern.

Die nicht zu Kristallen umgewandelte Lösung kann mit Wasser aus dem getränkten Trägermaterial einfach ausgewaschen werden.

Er nannte seine Methode Blaudruck oder Cyanotypie. Anders als bei modernen Silbergelatine-Prints entsteht das Bild dabei direkt im Papier und nicht nur in einer Schicht an der Oberfläche. Es ist ein Verfahren, das auf Eisen und nicht auf Silber beruht, welches sonst bei der herkömmlichen Herstellung von Fotoabzügen (und den zuvor erfundenen Verfahren) verwendet wird.

Die Belichtung erfolgt unter einem Schatten werfenden Gegenstand als Fotogramm (Gegenstand, Pflanze etc.) oder mit einem Negativ durch UV- oder Sonnenlicht.

Fotografisch stand diese Technik die meiste Zeit eher im Abseits.

Anna_Atkins_algae_cyanotypeAnna Atkins eine britische Naturwissenschaftlerin, machte aber schon um 1841 diese fotografische Technik durch ihre Bücher bekannt, in denen sie Farne und andere Pflanzen mit Cyanotypien dokumentierte.

Chemisch ist das Verfahren in der Fotografie nicht besonders kompliziert auszuführen, die im Gegensatz zu modernen Filmemulsionen geringe Lichtempfindlichkeit macht es aber nötig, große Negative im Kontaktverfahren einzusetzen.

Das Verfahren arbeitet relativ kontrastreich, und ergibt Abzüge in Abstufungen von Cyanblau bis zum weiß des verwendeten Trägermaterials. Reste von Chemikalien im Papier, vor allem Alkalien, beeinflussen das Ergebnis negativ, da hierbei die Bildung der blauen Eisenverbindung gestört wird. Auch sollte das Papier bei dessen Herstellung nicht mit Eisen, etwa Walzen zum Pressen oder Trocknen, in Berührung gekommen sein.

Die Farbstoffkristalle bilden sich innerhalb der Faser, daher sind nichtsaugende Kunststoffe und deren Fasern als Trägermaterial ungeeignet.  Alkalische Medien wie Zemente und Putze sind wegen ihres Alkaligehaltes, welcher die Bildung der blauen Eisensalze stört, ebenfalls nicht geeignet.

Gut geeignet sind dagegen saugende Werkstoffe, etwa Holz, Stoffgewebe aus Naturfasern oder gar saugende Natursteine.

Beste Ergebnisse erhält man aber auf handgeschöpftem Büttenpapier oder Aquarellpapier mit möglichst hoher Grammatur. Die Struktur des Trägermaterials bleibt erhalten, und zeigt sich bei passender Belichtung deutlich in der Oberfläche des Abzuges.

Die exakte Reproduzierbarkeit ist aufgrund vieler äußerer Umstände wie der Saugfähigkeit des Papiers, Art und Menge des Auftrag der Lösung, die stärke des Lichtes bei der Belichtung oder die Nachbehandlung bis zur Trocknung nicht gegeben, so dass jeder einzelne Abzug ein Unikat darstellt.

Geeignete Negative und Trägermaterial vorausgesetzt, ist der eigentliche Prozess recht einfach durchzuführen. Einen Eindruck von der Anwendung erhälst Du im angehängten Video

Einige Beispiele seht ihr auf meiner Internetseite http://deprofi.de als kleine Diashow, oder als

Kleine Werkschau: „Cyanotypie“
08.05. – 30. 07. 2015
im La Bamba, Kämmererstr. 77, Worms

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